Unter dem Begriff “tantrische Sexualtherapie” können unterschiedliche Dinge verstanden werden. Einerseits allgemein therapeutische Arbeit mit Bezug auf das yogisch-tantrische Menschenbild, teilweise unter Verwendung sexueller Energie, und andererseits Sexualtherapeutische Arbeit zur Unterstützung bei sexuellen Fragestellungen. In jedem Fall ist es kein geschützter Begriff. Daher lohnt eine Betrachtung der Anbieter für das eigene Vorhaben.
In der Tantramassage kommen häufig therapeutisch relevante Themen an die Oberfläche des Bewusstseins. Viele Quellen sprechen für ein Heilungspotential von Tantramassage. Tantramassage wurde teilweise vom Fonds sexueller Missbrauch finanziert. Viele Menschen machen wichtige Schritte ihrer Selbsterfahrung in tantrischen Settings. Selbsterfahrung ist ein Kernelement vieler Therapien, aber noch keine Diagnose und keine Heilung von Krankheiten und in so fern braucht es keine Heilerlaubnis.
Wegen des Abstinenzgebotes für Therapeuten halte ich es für wichtig, dass Tantramassage als Zwischenbereich angesehen wird. Fachlich würde sie zu Körperpsychotherapeutischen Methoden gehören. Für Menschen mit Heilungsabsicht sollte Tantramassage von therapeutisch gebildeten Menschen angeboten werden können, ohne sich den diskriminierenden Regeln des ProstSchG unterwerfen zu müssen. Denn nur wenige gut ausgebildete Menschen möchten sich vom Amt als Prostituierte bezeichnen lassen, abgesehen von oftmals gravierenden weiteren sozialen Folgen dieses Stigmas.
Meine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie habe ich mit der Intention gemacht, im Rahmen der Selbsterfahrungsgruppen für Yoga- und Tantra das nötige Hintergrundwissen für tiefergehende seelische Prozesse zu haben. Zum Beispiel Menschen mit Störungen aus dem Bereich der ICD-10 F2 rechtzeitig zu erkennen und ihnen angemessene Formen der Meditation zu empfehlen (oder vorsichtshalber keine tiefer gehenden Meditationen). Gerade im Yoga gibt es auch viele Impulse, die Verhalten ändern und auf Störungen aus dem Spektrum F4 positive Auswirkungen haben, oder auf Begleiterscheinungen der Störungen aus dem Bereich F3 wie z.B. Schlafstörungen und innere Unruhe positiv wirken. In den Tantrakursen kommen darüber hinaus spezifische Themen rund um F5 und F64 – F66 zur Sprache.
Mir ist bewusst, dass Tantramassage, soweit dabei eine genitale Berührung enthalten ist, einen sensiblen Umgang mit dem Gebot der sexuellen Abstinenz gemäß §174c StGB erfordert. Daher schicke ich Klienten mit denen bereits ein Lehrer- oder Therapeutisches Verhältnis besteht zu anderen Tantramassierenden.
Andererseits ist Tantramassage (oder ihre Derivate wie Sexological Bodywork) eine therapeutische Intervention, die zunehmend Anerkennung erfährt, aber nicht voll anerkannt ist. Weiter bleibt fachlich zu fragen, bei welchen Störungsbildern diese Methoden und die weitergehenden spirituellen Techniken des Tantra hilfreich sein können. Im Allgemeinen würde ich Tantra und meine Tantramassage der Erwachsenenbildung zuordnen, zumal sie ergänzend zu den Massage-Ausbildungen von mir angeboten wird.