Tantramassage ist keine Sexdienstleistung im Sinne des ProstSchG

In einem aktuellen Urteil* behauptet das Verwaltungsgericht D├╝sseldorf, dass Tantramassage unter die Regelungen des ProstSchG fallen soll. Dies wird laut Pressmitteilung des Gerichts prim├Ąr mit dem Schutz der beteiligten Personen vor Geschlechtskrankheiten begr├╝ndet.

Eine befreundete ├ärztin fragte wieso? Es gibt keinen Schleimhautkontakt in der Tantramassage! Im ProstSchG und den Begr├╝ndungen**, Kommentaren und Anh├Ârungen im Bundestag taucht Infektionsschutz nur bei der Kondompflicht auf. Tantramassage hat aber mit Kondomen nichts zu tun. Der Kern dieses Gesetzes ist der Schutz von Prostituierten und die ordnungsrechtliche Regelung dieser Branche, aber nicht der Infektionsschutz.

Die Schwarz-Wei├č Regelung, nach der Tantramassage nur von staatlich registrierten Prostituierten ausgef├╝hrt werden soll, f├╝hrt zu Nachteilen f├╝r sexuell traumatisierte und heilungsbed├╝rftigen Menschen, die nicht so ohne weiteres in die Sex-Branche verwiesen werden sollten.

Auch wenn bei Google unter dem Stichwort „Tantramassage“ ├╝berwiegend Sexdienstleistungen angeboten werden, ist laut Familienministerium eine Einzelfallpr├╝fung vorgesehene. In meiner Praxis gibt es kein Schutzbed├╝rfnis oder ordnungsrechtlichen Regelungsbedarf f├╝r meine psychotherapeutische Heilpraktiker-Praxis. Ob Tantramassage eine Sexdienstleistung ist, oder nicht, dar├╝ber kann man streiten. Aber seri├Âse Tantramassage ist keine „Sexdienstleistung im Sinne des ProstSchG“, weil seri├Âse Tantramassage nichts mit dem Schutzzweck des ProstSchG zu tun hat. Ich habe ├╝ber 1 Jahr im „Arbeitskreis Sexarbeit“, der vom Gesundheitsamt Leipzig initiiert wurde, mitgemacht. Mit den Problemen der Sexarbeiter:innen habe und hatte ich nie Kontakt. Eine restriktive Sichtweise auf Tantramassage, wie sie das Verwaltungsgericht D├╝sseldorf vertritt, w├╝rde zur Schlie├čung meiner Praxis f├╝hren, obwohl hier ├╝berwiegend Frauen mit Heilungsabsicht zur sexualtherapeutischen Beratung und zur Tantramassage kommen. Es spricht einiges daf├╝r, dass der Gesetzgeber zuk├╝nftig, durch ein Sexarbeiter:innen Gesetz, einen differenzierteren Umgang mit der sexuellen Kultur erm├Âglichen sollte.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Es wird voraussichtlich eine Revison des Urteils geben. In einer Zeit, in der kulturelle und demokratische Gepflogenheiten allgemein durch Infektionsschutz unter die R├Ąder kommen, sollten wir darauf achten, nicht diesem Zeitgeist zu folgen. Der Tantramassageverband tritt daf├╝r ein, dass seri├Âse Tantramassage auch weiterhin nicht unter die restriktiven Bestimmungen des ProstSchG fallen wird. Es bleibt zu hoffen.

* Siehe Az.: 29 K 8461/18 vom 17.11.21
**siehe Bundestagsdrucksache 18/8556

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