Archiv des Autors: Helfried

Tantra-in-Leipzig – Rundbrief 48 (Mai 2026)

Liebe Tantrika und liebe Freunde,

die letzten Regentage versüßen die Freude auf den Sommer. Ein Sommer voller Verlockungen … Festival-Besucher werden hin und her gerissen im Freizeitstress. Open-Heart, Cat & Cow, Integrales Sommertreffen … und vieles mehr. 

Vieles im Außen. Im Inneren spüre ich Verunsicherung. Verunsicherung in der Gesellschaft und in meiner Männlichkeit. Ich lasse die Verunsicherung zu und fühle. Ich erlebe lähmende Unentschlossenheit und fühle zarte Triebe, die sonst im Aktionismus vielleicht weniger als Licht des Bewusstsein kommen würden. 

Seit ich entschieden habe, die juristische Auseinandersetzung mit der Verwaltung nicht fortzusetzen, entsteht eine zarte Leichtigkeit und positive Feedbacks und gleichzeitig eine Angst, diese Chance in der gesellschaftlichen Debatte vertan zu haben.  

Und dann fordern mich wieder die alltäglichen Aufgaben, wie Seminarorganisation und Gemeinschaftsaufbau. 

Unsere nächsten Seminare und regelmäßigen Veranstaltungen:  siehe Home

Nachrichten

Das Verwaltungsgericht hat das Ordnungsamt in seiner patriarchal frauenfeindlichen Meinung bestätigt. Ich habe im Mai 2026 aufgegeben, die Frage juristisch zu klären, wie das Verhältnis meiner tantrischen, sexualtherapeutischen Arbeit zum ProstituiertenSchutzgesetz steht. Mein Vertrauen in eine unabhängige Justiz ist erheblich beeinträchtigt. Die persönlichen emotionalen, zeitlichen und finanziellen Belastungen in einem Streit gegenüber einer Institution, die im Sachsensumpf die Opfer verfolgt und die Täter geschützt hat, sind mir persönlich eine Nummer zu groß. Die Erfahrungen im Umgang mit dem Ordnungsamt haben mich radikalisiert. Es gab auch in der DDR-Diktatur eine Subkultur. Tantrische Konspiration ist wieder angesagt. In einem offenen Brief an den Bürgermeister gebe ich den Ball der demokratischen Auseinandersetzung zurück und bleibe Hoffnungsvoll für eine freie Kultur. Ich reagiere jetzt paradox und verschenke meine professionellen Tantramassagen. Mehr …

In einem Podcast von Wild-Life-Tantra sprechen Tandana, Chono und ich engagiert über Tantra, Gemeinschaft und Gesellschaft. Mehr …

Nach kritischen Rückmeldungen aus feministischer Perspektive versuche ich mich an einem positiven tantrischen Bild von Männlichkeit. Die Debatte gerne über Kommentare auf der Webseite (mal probieren). Mehr …

Im Rahmen der Mittwochs-Reihe im Yogaladen biete ich zukünftig mit dem Tantra-Salon Meditation und Futter für den Geist. Mehr…

Beim letzten Tantra-Einsteigerwochenende hatte ich ein neues Aha-Erlebnis zum Thema Liebe und Bedürfnisse. Wir sollten unseren eigenen inneren Kindern ihr Recht auf “unbedingte Liebe” erfüllen und es nicht von unseren Partnern erwarten. Mehr… 

Ich freue mich sehr über eine Einladung ins Anukan, wo ich am Sa 18.7. das Tantra-Ritual der Welle als Tagesworkshop anbieten darf.

Der Leipziger Kreis, von dem ihr seit Jahren hört, heißt jetzt Anahata-Sangha. Sangha ist ein Überbegriff über mehrere tantrische Gruppen in Leipzig, die oft noch generische Namen haben, so wie die “Sonntags-Sangha” sich seit vielen Jahren getroffen hat. Zum Tanzen, Singen, Schütteln, Männerkreis, Frauenkreis, Massieren und Meditieren kommen jetzt noch drei Formate hinzu. Unter der Leitung von Annelie  Ropes to relax und  Impro-Theater, jeweils Donnerstags um 18:30 und mit Helfried der TantraSalon mit Futter für den Geist und Meditation. 

Literaturtipp

Was mich in der Zwischenzeit inspiriert hat: 

Die Pinguin-Geschichte von Eckart von Hirschhausen habe ich als Hörbuch der öffentlichen Bibliothek genossen. “Der Pinguin, der fliegen lernte”. Zentrale Essenz ist: Wer im eigenen Element ist, ist schön. Für meine therapeutische Arbeit kam noch hinzu: Wenn ein Pinguin sich in der Wüste wieder findet, fragen viele Therapien: „Wie ist er dahin gekommen?” und “Was kann ihm hier helfen?”, aber die wichtigste therapeutische Frage muss lauten: „Wie kommt er so schnell wie möglich da weg?”  

Yoga Town von Danel Speck hat mir als Hörbuch der öffentlichen Bibliothek gute, spannende Unterhaltung gegeben mit Hintergründen aus dem spirituellen Feld und der Entwicklung seit den 1960er Jahren. 

Brutal fragile Typen von Ole Liebl habe ich in meiner Beschäftigung mit Männlichkeit mit Inspiration gelesen, auch wenn ich nicht alles Teile. Mehr…

Die aktuelle Fassung des Tantrakalender, siehe Tantrazentrum-Leipzig.de 

Konspiration!?

… in Arbeit …

Meine Erfahrungen mit dem Ordnungsamt haben mich radikalisiert. Die vielen Rückmeldungen von Freunden mit Diktaturerfahrung, die gar nicht auf die Idee gekommen wären, das Amt bezüglich Tantra irdendetwas zu fragen – im Gegensatz zu meinem Verständnis von demokratischer Mitbestimmung – werfen die Frage auf, wie wir unsere Räume vor amtlichen Übergriffen schützen können.

Tantra hat ja eine lange Geschichte der Konspiration, da im autoritär patriarchalen hinduistischem Indien Tantra meist im Verborgenen statgefunden hat. Diese Tradition sollten wir wieder aufgreifen.

Ich habe mich seit Corona kaum noch mit dem Thema beschäftigt, aber mit diesem Post möchte ich ein paar Gedanken sammeln, welche grundsätzlich bei unseren Treffen berücksichtigung finden können und sollten. Die Balance zwischen Herzoffenheit und Vertrauen auf der einen Seite und den Gefahren staatlicher oder patriarchaler Übergriffe auf der anderen Seite ist schwer zu halten. Das Amt möchte belogen werden, um nicht selbst denken zu müssen. Das Amt kann nur Repression. Kooperation scheint ihm fremd. Prostitution und verlogene Doppelmoral gehören unzertrennlich zum Patriachat, welches vom Ordnungsamt vertreten wird.

Allerdings möchte ich die Arbeit, nützliche und konkrete Verhaltensanforderungen zu sammeln, jetzt noch nicht machen, sondern erst mal eure Ideen dazu sammeln. Fühlt euch eingeladen in den Kommentaren oder als persönliche Nachricht.

Männer und Männlichkeit?

Seit dem letzten Rundbrief sind viele Gedanken zum Thema Männlichkeit durch meinen Kopf gegangen. Angefangen bei den Reaktionen auf den Artikel “Sicherheit versus Neugierde” aus feministischer Sicht. Weiter ging es mit Konflikten und verlogener bürgerlicher Doppelmoral, patriarchal frauenfeindliche Diskriminierung meiner  Tantramassagen durch das Ordnungsamt und zuletzt der Lektüre feministischer Literatur.  

Dass viele Männer in unserer Gesellschaft auf dem Weg zu einer partnerschaftlichen Kultur noch ein paar Privilegien aufgeben müssen, halte ich für ausgemacht. Privilegien aufgeben ist erst mal ohne Gegenleistung. Ganz im Gegensatz zur kapitalistischen, profitorientierten Kultur dürfen wir Hoffnung haben, ohne Schadensersatzansprüche aus der Sache raus zu kommen, weil eine liebevolle Kultur mit einer bedürfnissorientierten Wirtschaftsweise anders funktioniert als die Neolibearle Ideologie. Den einen oder anderen Pendelausschlag wird es aber geben.

Persönlich bin ich in meinem Mann-Sein verunsichert und habe mich entschieden, dieses Gefühl auszuhalten und nicht in Stärke umzudeuten. Gefühle und Emotionen zuzulassen braucht Mut. Es braucht Selbstvertrauen, aber es ist keine Stärke – nichts aus dem mir Kraft erwächst. Ich fühle mich geschwächt. Negativ bewertete Gefühle zu fühlen verbraucht Kraft. Aber auch dieses Gefühl ist nur ein Hinweis auf meine Bedürfnisse. Bedürfnisse, deren Befriedigung ich vielleicht ein wenig zurückstellen muss. Die Tantrisch-Yogische Weltanschauung mit ihrem Menschenbild hilft mir dabei, das einzuordnen. Mir geht es äußerlich vergleichsweise gut. Wenn ich die Verantwortung für meine Gefühle wirklich selbst übernehme, gelingt es mir sogar, das yogische “Sat-Chid-Ananda” zu erleben und über mein eigenes Gejammer zu lachen. 

Ich weis nicht, ob es typisch für “alte weisse Männer” ist, oder einfach nur “Helfried-Typisch”, mir zu den Fragen meiner Männlichkeit philosophisch-weltanschauliche Gedanken zu machen. Zuerst habe ich mir ein altes Buch aus meinem Regal gefischt, welches mich schon vor 30 Jahren inspiriert hat. “Kelch und Schwert” von Riane Eisler. Es handelt vom weiblichen und männlichen Prinzip in der Geschichte und plädiert für einen Übergang von patriarchaler Herrschaft zu einer partnerschaftlichen Kultur. Da ist meiner Meinung nach viel Wesentliches gesagt worden. 

Etwas später hatte ich Anfang der 2000er Jahre mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass anarchistische Grundprinzipien, wie ich sie in den 1980er Jahren aufgenommen habe, zu feministischen Prinzipien erklärt wurden. Ich habe damals nicht verstanden und entnehme auch heute aktueller feministischer Literatur nicht, was an allgemein menschlichen Werten wie Mitgefühl und Solidarität, oder fürsorglichem Verhalten und emotionaler Arbeit spezifisch feministisch sein soll? Nur weil viele Männer in diesen elementaren Lebensbereichen Nachholbedarf haben, werden diese Eigenschaften doch nicht weiblich. Ja, die ursprünglichen anarchistischen Theoretiker waren überwiegend weiße Männer und viele sind in ihren Partnerschaften nicht besonders über ihre Zeit hinaus gekommen. Und in den wilden 1970er Jahren und bis heute leiden Frauen auch in anarchistischen Kreisen unter Männern, wenn sie z.B. in Debatten nicht zu wort kommen. Viele Frauem oder feministische Bewegungen lassen Männer daher zu recht links liegen und machen ihr Ding unter sich. Aber damit werden die Werte wie Mitgefühl oder fürsorgliches Verhalten immer noch nicht feministisch. Ich denke, alle aufgeklärten Menschen würden diese hoch halten. Aber viele Männer sind der Debatte hinterher und können emotionale Bildung gebrauchen.

Ein ganz aktuelles Buch von Ole Liebl beschreibt unter dem Titel “Brutal fragile Typen” warum Gefühle für viele Männer immer noch eine Herausforderung sind. Ich konnte in dem Buch einige Anregungen finden, aber kein positives Bild von Männlichkeit, auch wenn der Autor meint, dass er Männer liebt. Wir brauchen aber ein Männerbild im guten Verhältnis zum Menschenbild.

Ole Liebl  benennt viele kritikwürdige Aspekte, die häufig bei Männern auftauchen und von einigen „Männer Coaches“ oder im Rahmen der “Manosphere” gefördert werden. Aber allgemeine menschliche Werte werden in seinem Buch konsequent dem Feminismus zugeschrieben und so verbleibt kein positives Männerbild. Eine partnerschaftliche Kultur, die das Zusammenspiel aller Menschen fördern will, wird so nicht kommen. Die notwendige Überwindung patriarchaler Herrschaftsstrukturen braucht ein Menschenbild und ein positives Männerbild. Sonst bekommen wir mit der Überwindung der Männerherrschaft nur einen Kapitalismus, in dem mehr Frauen über ausbeuterisches Kapital verfügen.

Ole Lieble beschreibt das „Gender Equality Paradox“ welches besagt, dass in geschlechtergerechteren Gesellschaften die Unterschiede zwischen den Geschlechtern ausgeprägter sind. Dann wettert er mit schwachen Argumenten dagegen. Die Ablehnung kultureller, geschlechtsspezifischer Rollenerwartungen finde ich völlig legitim. Was bei ihm fehlt, sind Hinweise für die Entwicklung einer reflektierten sozialverträglichen Geschlechtsidentität. Diese ist eine schwierige Herausforderung, die in der Pubertät beginnt und über die Lebensphasen immer wieder angepasst werden muss.

Im Tantra befürworten wir, dass alle Menschen, egal welchen Geschlechts, sich ein breites Spektrum an Verhaltensmöglichkeiten aneignen. Archetypisch dem männlichen Zugeschriebene Eigenschaften, wie z.B. Zielstrebigkeit, genauso wie archetypisch dem weiblichen zugeschriebene Eigenschaften wie z.B. Hingabe. Es sind Zuschreibungen, aber doch alles ganz allgemein menschliche Eigenschaften. An vielen Stellen wird die Trennung in Männer und Frauen übertrieben. In der ganzen Gesellschaft und auch im Tantra.

Unterschiede sehe ich vor allem beim Thema Sex und Emotionen. Ein Aspekt bleibt (neben vielen Anderen), dass beim Sex Männer in die Frau hinein wollen. Und auf der anderen Seite, dass Frauen beim Sex den Lingam in sich hinein lassen. Sex geht für Frauen tiefer nach innen und macht sie damit vulnerabler als Männer. Auf der anderen Seite senkt Testosteron die Gefühlswahrnehmungen und macht Männer emotional verletzlicher, da sie Details schlechter wahrnehmen.  All das verpflichtet keine Einzelperson zu irgendetwas.

Im Tantra benutzen wir gerne ein Bild von +/- Polen, wonach Männer ihr Herz öffnen (emotionen zulassen), wenn sie sich sexuell angenommen fühlen und Frauen ihre Yoni öffnen, wenn sie sich emotional angenommen fühlen. Vielleicht spielt bei dieser häufig zu beobachtenden Tatsache die archaische Frage mit hineine, dass für Frauen wichtig ist, dass der Kerl bei der Brutpflege mit dabei bleibt und auf der anderen Seiten, dass Er nicht nur die Brut anderer versorgt. In einer modernen Gesellschaft scheint das alles nicht mehr so wichtig, aber erklär das mal unserem neuronalen System.

Worauf ich hinaus will und wofür ich plädiere ist eine partnerschaftliche Kultur in der wir uns primär um Menschlichkeit bemühen und die Geschlechterunterschiede nur da betonen, wo sie wichtig sind. Sexualität ist für viele Menschen wichtig. Gute Wohn-, Lebens-, Arbeits- und Familienverhältnisse sind primär Menschlich und weitgehend unabhängig von der Geschlechtsidentität. Auch bezüglich Lust gilt die sexuelle Orientierung als fluide, aber die meisten Menschen bevorzugen gegengeschlechtliche Sexualpartner. Was wir in einer menschlichen Kultur brauchen, sind mehr Liebesschulen. Ein gut gepflegter Körper, emotionale Feinfühligkeit, geistige Klarheit und Wissen sind allgemein Menschlich. Die Stärkung der Liebhaberqualität, sowohl sinnlich als auch emotional hilft allen.

Anstatt als Mann mit einem schlechten Gewissen gegenüber Frauen herum zu laufen oder alternativ überkommene Herrschaftsverhältnisse zurück haben zu wollen, gilt es für uns Männer positive, reflektierte Liebhaberqualität und Partnerqualität zu entwickeln. Dazu gehört meiner Meinung nach eine gute, männliche Fürsorgequaltität. Ein Therapeut erklärte mir Fürsorge einmal so, dass „mütterliche Fürsorge“ das hingefallene Kind in den Arm nimmt und tröstet und „väterliche Fürsorge“ das hingefallene Kind darin unterstützt wieder aufzustehen und weiter zu machen. Beides ist wichtig. Die Rollenerwartungen hinter dem Schlagwort „Familie“ mögen oftmals verbrannt sein. Um so mehr brauchen wir Bewustsein für einen verantwortlichen Umgang mit unseren Kindern und Nachkommen.

Und wenn Frau wirklich in ihre Lust und Hingabe kommt, braucht Mann Übung um körperlich präsent und emotional offen zu bleiben. Auf dem individuellen Weg wird Mann einige Chancen bekommen, sich im Kontakt auzuprobieren und Erfolge und Misserfolge haben. Daher gibt es auch Vergleiche und Konkurrenz. Um so stärker in einer kapitalistischen Kultur, in der diese Werte zentral sind. In einer Bedürfnissorientierten Kultur, in der Kooperation und Teilen üblicher sind, wird vielleicht auch der Kampf der Geschlechter einem friedlicheren Miteinander platz machen. Wenn Beziehungen Liebe ausdrücken und nicht Besitzansprüche, dann wird vielleicht auch die Überwindung des Kapitalismus leichter. Es ist alles miteinander verwoben und wir dürfen hoffen und gestalten.

… unvollständig …

Unbedingte Liebe!?

Ich habe gerade wieder ein wunderschönes Tantraseminar abgeschlossen und dabei ein neues Aha-Erlebnis auf den Punkt bringen dürfen. Wie ist das mit der unbedingten Liebe? Wir wollen alle geliebt werden und lieben. Wenn Liebe an Bedingungen geknüpft wird, beschleicht uns ein komisches Gefühl. Aber Fürsorge kann ganz selbstverständlich an Bedingungen geknüpft werden.

Aus einer bestimmten Perspektive kann Liebe als schenkendes Prinzip verstanden werden, womit Liebe immer ohne Bedingungen ist. Aus diesem romantischen Blickwinkel ist es philosophisch möglich, allen anderen, auf Tauschhandel aufgebauten Beziehungen, das Attribut Liebe abzusprechen. Ich möchte dieser Sichtweise gar nicht widersprechen, aber ein anderer Blickwinkel kommt zu anderen Schlussfolgerungen.

Für den praktischen Alltag ist eine Definition von: “Liebe = Fürsorge” geeignet, Handlungen darauf hin zu bewerten, ob sie liebevoll sind oder nicht. Fürsorge bedeutet, jemandem bei seiner Bedürfnisbefriedigung zu helfen. Das können andere Personen sein, oder du selbst (Selbstfürsorge). In einem idealtypischen Beispiel erkennt die Fürsorgliche Person, ob das kindliche Bedürfnis eher nach Nahrungsaufnahme oder eher nach Ausscheidung klingt, und handelt entsprechend. 

Kinder haben ein “Recht auf unbedingte Liebe”. Die Fürsorge für Kinder ist nicht an die Bedingung geknüpft, wie sich das Kind verhält. Im Einzelfall kann Fürsorge auch eine erzieherische Funktion haben und das Gefühl von Frustration ist nicht immer zu vermeiden. Aber es ist die Pflicht der Erwachsenen, die Grundbedürfnisse des Kindes zu befriedigen – also zu lieben, auch wenn sich das Kind mal daneben benimmt und nicht unsere Erwartungen erfüllt. Ganz anders ist das mit Liebesbeziehungen und Partnerschaften zwischen erwachsenen Menschen. Die fürsorgliche Zuwendung und Liebe kann nicht auf Dauer eingefordert werden, sondern ist auf längere Sicht an ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen gebunden, sonst wird eine Partnerschaft zwischen Erwachsenen nicht irgendwie „schräg“. Eine Liebesbeziehung kann weiter bestehen, wo eine Seite dauerhaft schenkend liebt. Aber die wenigsten würden solch eine Beziehung als gleichberechtigte Partnerschaft verstehen. Also, für Partnerschaften zwischen Erwachsenen gibt es keine “unbedingte Liebe” auf Dauer. Hoffentlich gibt es in jeder Partnerschaft Momente des freien Schenkens, in denen wir uns geliebt fühlen, aber einfordern können wir das nicht.

Eltern haben eine Verpflichtung, ihr Leben, den Beruf und die Wohnsituation angemessen für die Elternschaft einzurichten und gelegentlich eigene Bedürfnisse zurück zu stellen. Ein Gefühl von Verbundenheit und erweitertem Mitgefühl macht das leicht.

Ähnlich ist das in der Beziehung zwischen deinem inneren Kind und deinem erwachsenen Selbst. So wie Eltern die Verpflichtung haben, ihre Kinder fürsorglich zu behandeln, ist es die Pflicht unseres erwachsenen Selbst, das innere Kind fürsorglich (= liebvoll) zu behandeln. 

Manche Eltern sind mit der Fürsorge ihrer Kinder einfach überfordert und manchmal auch rücksichtslos, unachtsam, egoistisch, ideologisch verbohrt, oder ähnliches. So ähnlich scheint es in der Beziehung zwischen unserem reflektierten Selbstkonzept und den eigenen inneren Kindern. Es gibt viele Situationen, wo der Eindruck entsteht, dass das erwachsene Selbst die Fürsorge für das eigene innere Kind nicht ernst genug nimmt. Und ähnlich wie verwahrloste oder misshandelte Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden und teilweise “auf die schiefe Bahn” geraten, können missachtete innere Kindanteile eine schwierige Eigendynamik für die ganzheitliche Person entwickeln.

Um es pointiert auszudrücken: Nicht ein Partner, sondern Du hast die Pflicht, dich um deine inneren Kindanteile zu kümmern, und ihnen die unbedingte Liebe zukommen zu lassen, auf die alle Kinder ein Recht haben. Andere liebende Menschen helfen dir dabei.

Sicherheit versus Neugierde

Immer wieder begegnet mir die Frage nach der Sicherheit vor unerwünschten Erlebnissen im Verhältnis zur Vorfreude auf schöne, unerwartete Erlebnisse. Dazu möchte ich einen Gedanken darstellen. Es ist ein einzelner Aspekt des Verstehens und keine umfassende Lösung für die vielen verschiedenen Aspekte in Begegnungen.

Wir kennen das klassische Dilemma zwischen Sicherheit und Freiheit, wobei im Kontext sinnlicher oder gar sexueller Berührung die Sicherheit bei Frauen tendenziell höher bewertet wird – in einer patriarchal geprägten Kultur, in der Männer bei Übergriffen traditionell wenig Probleme bekommen haben ist das menschlich.

Ein Verständnis der Dynamik kann helfen, mehr Freiheit zu genießen und den eigenen sicheren Raum zu erweitern. Wir haben einen Begriff von Grenzen als scharf gezogene Linien, dabei sind sie im sozialen meist ungefähre Bereiche. Auf unserem Wege ist es daher normal und notwendig, „Grenzen“ mal zu überschreiten, um zu erfahren, ob und wo die Komfortzone endet und die “Rote Zone” beginnt. Eigentlich kann Mensch nur sagen, ob er oder sie gerade voll in der Comfort-Zone ist, oder mehr oder minder weit außerhalb davon. Grenzerfahrungen sind in der Regel bereichernd und schaffen Selbstvertrauen. Verletzungen hingegen, die unsere Handlungsfähigkeit mehr oder minder lange und mehr oder minder stark einschränken, sollten wir vermeiden. Die Definition aus dem Gewaltfreien Widerstand: „Gewalt liegt vor, wenn Menschen verletzt werden“ halte ich für sehr brauchbar, wobei begrifflich eine Unterscheidung zwischen „Schmerz“ und „Verletzung“ sehr wichtig ist. Nicht alles was schmerzt ist eine Verletzung.

Zentral ist dabei die Zeit, die wir brauchen, von der Grenzüberschreitung bis zu dem Moment, wo bewusst wird, dass wir diese Grenze nicht überschreiten möchten, bzw. nicht möchten dass andere unsere Grenze überschreiten. Wenn diese Zeit kurz ist, können wir schnell wieder zurück auf sicheres Gelände. Wenn wir lange brauchen bei schneller Bewegung, sind wir vielleicht schon tief im ungesunden Gelände und kommen mit Verletzungen wieder raus. Ein Beispiel: Wenn ich zwei Tage nach dem One-Night-Stand merke, dass mir das nicht gut getan hat, habe ich eine schlechte Erfahrung gespeichert und bin das nächste mal vielleich übervorsichtig. Wenn ich zwei Stunden brauche, kann ich während eines gemütlichen Essens noch die Kurve kriegen und mit diesem Menschen nicht ins Bett gehen. Bei 5 Minuten kann ich innerhalb einer tantrischen Massage immer noch gut für mich sorgen und bei 5 Sekunden kann ich mich auf wilde ekstatische Spiele einlassen, in dem Bewusstsein, jederzeit die Richtung zu ändern.

Wenn du über deine persönliche Zeit Bescheid weißt, kannst du den richtigen Sicherheitsabstand wählen – in Zeit gemessen. Und es ist lernbar, den Zeitabstand zu verkürzen, z.B. in dem du dich immer mal wieder fragst, ob das, was jetzt ist, in Ordnung für dich ist. Die Frage nach der Zukunft muss nur so weit gehen, wie deine persönliche “Sicherheitszeit” ist. 

Dies gilt allerdings nur, solange du überhaupt handlungsfähig bleibst. Handlungsfähigkeit wird jenseits der Comfort-Zone immer eingeschränkt. Nur wenige wachsen im Konflikt über sich hinaus. Aber wenn das persönliche Konfliktmuster eher Starre als Angriff oder Flucht ist, wird das oben beschrieben Modell der „Sicherheits-Zeit“ unbrauchbar. Auch das Konfliktverhalten kann durch lernen erweitert werden, aber bei krassen Erfahrungen sollten wir uns bewusst sein, dass eher die „alten Muster“ greifen.

Das schöne an professionell geleiteten tantrischen Erlebnisräume ist, dass es im Bild so etwas gibt, wie eine Bergwacht, die dich notfalls mit dem Hubschrauber aus schwierigem Gelände schnell wieder rausholen kann. Und sie kann dir im Vorfeld Hinweise geben, ob deine Fähigkeiten dem Schwierigkeitsgrad dieses Geländes entsprechen. In diesem Bild ist es wichtig, dass die Leitung weis, ob sie einen metaphorischen Bergwacht-Hubschrauber hat, also genügend Ressourcen für evtl. tiefgehende emotionale Prozesse. Und – in der Praxis seltener – gibt es auch die Rolle der „Polizei“, also aktiv beschützen vor Übergriffen. So was kann vorkommen, aber in unserem Feld sind die meisten Männer mit besten Absichten dabei (ja ich schreibe Männer; leider bestätigen sich Klieschees immer wieder, aber Mensch kann hier gerne Mensch einsetzen).

Sicherheit umfasst neben dem Umgang in gefährlichen Situationen auch die Fähigkeit, sichere Räume herzustellen. Die meisten Männer laufen zu hochform auf, wenn sie als Beschützer gefragt werden. Aber wie kommt es, dass viele Frauen sich im sozialen Kontext am ehesten unter Frauen sicher fühlen? Welche erwartbaren Erwartungen erfüllen „die Männer“ nicht ausreichend? Die frauenverachtenden Klischees im Patriarchat will heute niemand mehr reproduzieren, aber dennoch scheint auch im tantrisch-spirituellen Feld die Differenz zwischen den Geschlechtern nicht nur neugierige Wärme, sondern auch unangenehme Reibung zu erzeugen. Dazu möchte ich im nächsten Artikel ein paar Gedanken sammeln. Jetzt ruft die Buchhaltung.

Liebe Grüße
Helfried

Tantra-in-Leipzig – Rundbrief 47 (Februar 2026)

Liebe Tantrika und Freunde, 

   Der Frühling naht und neue Wachstumskräfte sammeln sich, um aus dem Boden hervor zu kommen. Wir haben letzte Woche Shivaratri gefeiert und ich konnte es genießen. Im veränderlichen Kreis vertrauter Menschen singen, tanzen, essen, meditieren und den symbolischen Linga zu verehren hat mich geerdet. Mich hat das feierliche Ritual darin unterstützt, die Widrigkeiten des Alltags mal hintenan zu stellen und mich mit dem Shiva-Bewusstsein und der Shakti-Materie zu verbinden. Ich mag auch die rituelle Wiederholung, die Sicherheit gibt und genug Freiraum lässt, zu variieren. 

Nach Jahren der Aufbauarbeit entwickelt sich in Leipzig die Tantra-Szene gut. Regelmäßige Gruppen für Singen, Tanzen, Meditieren, Massieren und Rituale ergänzen immer mehr private Treffen, Geburtstagsfeiern mit tantrischer Ritualistik und immer neue “Sangha-Gründungen”. Ich plädiere hier dafür, den Begriff “Sangha” als übergeordnet zu nehmen und jede Gruppe mit eigenen Namen zu taufen. Das würde sich bunter anfühlen, als die vielen generischen Bezeichnungen wie Sonntags-, Mantra-, Tanz-, Massage-, Stötteritz-, Lützkewitz-, Regio-, … -Gruppe. Das Projekt der Tantragemeinde als Dach und der Lehrerausbildung für Qualität musste leider hinter dem Gerichtsverfahren erst mal wieder zurückstehen. 

Ab 27.2.2026 beginnt wieder unser Tantra-Grundkurs über 12 Wochen. Das erste Wochenende ist offen, ob du danach weitermachen möchtest. Diese tantrische Gemeinschaft auf Zeit hat jedes Jahr tiefe Verbindungen geschaffen und bildet Schicht für Schicht die Grundlage der Leipziger Szene und einiger Partnerschaften. Es gibt noch 4 freie Plätze.

Einen Intensivkurs für Traditionelles Kundalini-Tantra-Yoga bieten wir hier am 22.-29.3.  unter der Leitung des indischen Lehrers Chetan aus Rishikesh an. Ich freue mich auf diese Woche und werde sie selbst als Weiterbildung mitmachen. Bitte melde dich bald an. 

Nachrichten

Eine neue Kooperation entwickelt sich mit dem neuen Tantrakalender.de, welcher überregional das bieten möchte, was ich schon seit Jahren für Leipzig mache. 

Bisher gab es wenig Berührungspunkte mit Wild-life-tantra.de, aber ein erster Kontakt fühlt sich leicht und richtig an für mehr Kooperation.  

 Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Leipzig war für mich eindrucksvoll. Ohne eure vielfältige Unterstützung würde ich den Mut verlieren. Viele raten mir, diesen Weg nicht weiter zu gehen und lieber abzutauchen und unter dem Radar zu agieren.  Meine Klage wurde abgewiesen. Der Richter begrüßte mich mit einer vorgefertigten Meinung und meinte nach wenigen Sätzen, dass er wenig Lust hätte, sich volltexten zu lassen. Es gab dann doch zwei Stunden engagierte Debatte, in der ich meine Argumente darlegen konnte. Nun bin ich gespannt, wie begründet wird, warum “Sexualtherapie zum Schutz der Jugend verboten” werden soll. Das ist (verkürzt) der Kern der Frage.  Mir scheint, das Ordnungsamt möchte belogen werden. Welche Rolle ich in diesem Theater spielen sollte, bleibt etwas zwiespältig. Einerseits kann sich unsere Szene noch einigermaßen frei bewegen und verschwendet wenig Ressourcen auf die Muggelwelt. So nennen wir in unserer Sangha gerne die normalbürgerliche Gesellschaft. Andererseits zeigt die Geschichte, dass gesellschaftlicher Fortschritt und Freiräume immer erkämpft werden mussten, juristische Hürden genommen wurden und im Rahmen autoritärer werdender Politik sexuelle Selbstbestimmung immer sukzessive eingeschränkt wurde. Wehret den Anfängen. Und dann kann mein juristischer Widerstand auch Aggression auf uns ziehen oder zur korrekten Zurückhaltung mahnen. Das Ordnungsamt meinte vor Gericht, dass es die anderen bisher verschont habe, weil es warten wollte, wie mein Verfahren ausgeht. Hier wären mehr spirituelle Fähigkeiten der magischen Beeinflussung gebraucht, als ich alleine zur Verfügung habe. Als nächstes kommt die Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht in Bautzen. Es scheint sinnvoll, parallel zur juristischen Auseinandersetzung auch eine gesellschaftliche Debatte zu führen. Kennt jemand in Bautzen geeignete Orte, Organisationen oder gut vernetzte Menschen, um im “schwarzen Bautzen” Tantra ans Licht zu bringen? 

Literaturtipp

Ich lese nicht so viel, aber teile gerne, was mich in den letzten Wochen inspiriert hat. Dieses Mal weniger auf Tantra bezogen.

  • Der Takt des Lebens – Warum das Herz unser wichtigstes Sinnesorgan ist. von Dr. Reinhard Friedl, Goldmann-Verlag 2019. Ein Herzchirurg, der lange Jahre nur die “Pumpe” repariert hat, stellt sich die Frage, warum auf der ganzen Welt und durch alle Epochen das Herz für Liebe, Mitgefühl, Freude, Mut, Stärke und Weisheit steht. Mit vielen wissenschaftlich anerkannten Studien und fundierten Beschreibungen der hormonellen und anderen Prozesse baut er Brücken zwischen Schulmedizin und Spiritualität. 
  • Jaffa Road, Roman von Daniel Speck, Fischer-Verlag 2021. Der hochkomplizierte Nahostkonflikt wird mit großer Kenntnis als packende und anrührende Familiengeschichte erzählt. Ich bin noch mittendrin, aber kann das Buch gerade in der aktuellen Zeit empfehlen. Tantrisch ist daran allerdings nur die vielschichtige Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Realitäten. Es wird immer schwerer, eindeutige Urteile zu fällen, aber motiviert, erweitertes Mitgefühl zu entwickeln.  

Meinung

Künstliche Intelligenz nutzen?

KI ist in aller Munde und ich habe mich leider dabei erwischt, selbst ein KI-Generiertes Bild für einen Workshop zu verwenden, welches ein Teilnehmer zur Unterstützung mitgebracht hatte. Ich habe es nicht gemerkt und erst auf Nachfrage erfahren. Im Vergleich mit den wundervollen Versprechungen meiner Mitbewerber sieht meine Werbung immer etwas alt aus. Ich fühle mich im Zwiespalt. Wenn alle wissen, das Werbung lügt und völlig unabhängig von Inhalten die Erwartung entwickeln, schöne Bilder zu sehen, dann ist es dumm, da nicht mitzuspielen. Wenn zukünftig nur noch echter sozialer Kontakt zu Menschen zählt, weil alle Nachrichten unzuverlässig werden, dann ist es vielleicht weise. Aber was die KI wirklich gut kann, ist Programmieren und Strukturieren. Das werde ich mir zukünftig mehr zu Nutze machen. Die ermüdende Umformatierung des Kalender für den Rundbrief  zum Beispiel  (siehe Liste unten). 

Tantralender

mit einem Überblick über alle Veranstaltungen in und um Leipzig findet in der Mail eine lange Liste, ist hier aber besser aktuell zu sehen. … Mehr

Sexualtherapie zum Schutze der Jugend verbieten?

Am 3.2.2026 wurde vor dem Verwaltungsgericht Leipzig der Fall verhandelt, dass das Ordnungsamt meine sexualtherapeutische Praxis zum Schutze des öffentlichen Anstandes und der Jugend amtlich geschlossen hat. Das ist natürlich etwas verkürzt dargestellt, trifft aber den Kern der Sache. Das Verwaltungsgericht hat das Ordnungsamt darin bestätigt. Der sittliche Nährwert dieses Urteils ungefähr so hoch, wie die staatliche Gewalt gegen liebende Männer jahrzehnte lang war. Der Schutz von Prostituierten wird zum Vorwand genommen, patriarchal Frauenfeindliche Meinungen durchzusetzen.

Details siehe https://www.tantrazentrum-leipzig.de/tantramassage/tantramassage-in-leipzig/massagevonhelfried/prostschg/

Manche Gesetze sind gut und zu beherzigen. Manche Gesetze sind unklar und werden in ihren Randbereichen falsch ausgelegt und führen zu absurden Situationen. Manche Gesetze Ausdruck aktueller Mehrheitsverhältnisse, die Mensch bescheuert finden darf, aber sich daran halten muss. Und manche Gesetze sind Ausdruck mieser Machtstrukturen, unmenschlich und verabscheuenswürdig. Jahrzehntelang wurden z.B. Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung strafrechtlich verfolgt. Der §175 ist heute kaum noch vorstellbar. Ich vermute, dass das neue ProstSchG zur zweiten Kategorie gehört, aber auch Anteil von letztem hat. Ich halte mich an das Gesetz, aber ich wehre mich gegen Unmenschlichkeit.

Ich kann damit Leben, dass gewerbliche Tantramassage rechtlich geregelt wird, aber ich möchte in einem demokratischen Staat nicht damit leben, dass Opfern sexualisierter Gewalt Therapie vom Ordnungsamt verweigert wird.

Zum Glück bin ich in der priveligierten Situation, dass finanziell nicht auf die Einnahmen aus meinen Tantramassagen angewiesen bin. Mir ist egal, ob ich ehrenamtlich im Büro sitze und mit Tantramassagen Geld verdiene oder ob ich ehrenamtlich Tantramassagen anbiete und über Spenden für meine Büroarbeit bezahlt werde. Tantramassagen mit Genitalberührung biete ich ab sofort kostenfrei an (im Rahmen meines Terminkalenders). Damit ist das ProstSchG auch aus meiner Welt entfernt.

Das Ordnungsamt möchte belogen werden! Das Ordnungsamt vertritt eine patriarchale Meinung und dazu gehört bürgerliche Doppelmoral und Prositution. Transparenz und kooperative Gespräch scheinen vom Ordnungsamt nicht erwünscht. Das Verhältnis zu Bürgern erscheint wie die Verhältnisse herrschsüchtige 50er-Jahre Familienoberhäupter (im Westen) zu ihren Familienmitgliedern.

Dieses Wochenende hatte ich wieder ein Tantramassage-Seminar gegeben. Der Grundkurs M1, ganz ohne Genitalberührung. Eine ausgebildete Physiotherapeutin mit viel Berufserfahrung berichtet, dass sie sich in einem „ganz anderen Universum“ fühlt und Massage ganz anders begreift. Bei der Bauch- und Brustmassage macht sie elementar neue Erfahrungen, weil endlich mal die Berührung der Brust nicht sexuell gefärbt ist und sie lernt das genießen zu können. Diese wundervolle Arbeit soll laut Ordnungsamt verboten sein?

Tantra-in-Leipzig – Rundbrief 46 (1/2026)

Liebe Tantrika und liebe Freunde,

ein kleines Update zum Thema Tantramassage, Sexualtherapie und das Prostituierten-Schutz-Gesetz.

Am 3.2. um 13 Uhr wird vor dem Verwaltungsgericht Leipzig verhandelt, wie mit der peinlichen Entgleisung des Ordnungsamtes umgegangen werden soll, welches behauptet Sexualtherapie sei Prostitution. Wegen diesem Termin hört ihr auch so schnell von mir wieder. Der nächste Rundbrief war noch gar nicht geplant. Das Thema beschäftigt mich emotional sehr und ich halte es auch für wichtig für uns alle. Daher würde ich mich über Beteiligung und Präsenz im Gericht freuen. Ich habe mich entschieden damit in die Öffentlichkeit. Und die Gelegenheit ist gut, da das Amt zurückrudern muss. Sexualtherapie mit Prostitution gleich zu setzen ist solch ein Unsinn, da vertraue ich tatsächlich auf unsere Justiz. Juristisch könnte es Neuland sein, da die Sachorientierte Sichtweise der bisherigen Verwaltung jetzt Personen bewerten muss und nicht Sachen. Der Paradigmenwechsel vom ProstitutionsGesetz zum ProstituiertenSchutzGesetz  war noch nicht beim Amt angekommen. Mehr … 

NachrichtenEin neues Seminarhaus wird von Laura Brüstle in Prignitz in Brandenburg initiiert. Für Leipzig weit weg, aber vielleicht für den einen oder anderen Interessant. → 🌿 Flow-Brandenburg

Tantra-in-Leipzig – Rundbrief 45 (12/2025)

Liebe Tantrika und liebe Freunde,

zu Weihnachten und in den Rauhnächten wünsche ich dir gute Inspiration und emotionale Harmonie. Wieder geht ein Kalenderjahr zu Ende. Es ist Zeit zur Ruhe zu kommen, Zeit für dich und Zeit für deine Nächsten.

Heute morgen habe ich, nach dem Sonnenwende-Feuer und Eintauchen in den winterlichen Mühlgraben, aus den Orakelkarten für die Rauhnächte-Zeit eine Karte “Bube der Münzen” gezogen. Ich hatte die Frage nach der Rolle des Tantra-Rundbriefes für mich. Sie wurde beantwortet mit “Impulsgeber” für etwas Solides und Beständiges auf fruchtbarem Boden. Mit dieser erbaulichen Nachricht bringt mir das Schreiben Freude. 

Zeit für dich? Was bedeutet das? Was ist eigentlich das Ich? Viele kennen das Gefühl, ständig für andere da zu sein, aber wenn die Frage auftaucht: “Was brauchst du?” kommt als Antwort häufig nur ein Bedürfnis nach Entspannung und einfach mal zu “sein”. Aber was heißt Sein? Aus yogisch-tantrischer Sicht ist der natürliche Zustand des Menschen Sat-Chit-Ananda (Sein – Wissen – Glückseligkeit). Aber was ist dann der Rest unserer Realität? 

Ein wesentlicher Faktor, der uns vom Sein abhält, scheint “Stress” zu sein. Stress ist ein Zustand des Nervensystems, welches bei dauernder medialer Überflutung, ständiger Erreichbarkeit und viel zu häufiger Unterbrechung kaum noch Pausen bekommt. Dabei ist unser menschliches System so gebaut, dass gelegentlicher Stress gut verarbeitet werden kann, aber entspannter Flow im göttlichen Spiel des Lebens (Lila) der Normalzustand sein sollte. Und das sollte uns in unserer reichen Überflussgesellschaft mehr gelingen, als in allen früheren Zeitaltern. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein. 

Ein Workshop über Digitale Resilienz hat mich inspiriert. Eine wichtige Ursache für Stress ist Fremdbestimmung. Um dieser zu begegnen brauchen wir ein Verständnis von unserem Selbst. Keine befriedigende Antwort zu haben auf die Frage “Wer bist du und was willst du?” verursacht für uns als soziale Wesen Stress. Unser Selbst und das Bedürfnis nach Identität zu befriedigen ist anspruchsvoller als früher, wo wir es von außen gesagt bekamen. Tantra kann uns bei der Suche nach dieser Antwort helfen. Tantra ist eine ganzheitliche Weltanschauung. Solange wir Tantra auf achtsame Sinnlichkeit oder Sexualtität reduzieren, geht die Suche nach dem Selbst weiter. Ganzheitliches Tantra kann mehr und sollte mehr gelebt und gelehrt werden. 

Mit der Ausbildung für tantrische Gruppenleitung (Tantra-Lehrenden-Ausbildung) verbinden wir spirituelle Tiefe, sinnliche Offenheit und geistige Reflexion. Im Herbst bieten wir hier erstmals eine Ausbildungswoche für Leitungswissen an. Einige Interessierte gibt es schon. Wenn dich so eine Ausbildung anspricht, melde dich.

Nachrichten

Unsere Indien-Reise vom Oktober/November hat mich in mancherlei Hinsicht inspiriert. Den Reisebericht könnt ihr in meinem Telegram-Kanal lesen oder auch auf meiner Webseite sehen. Im Telegramkanal werde ich auch über die Reise hinaus bloggen und ich würde mich über weitere Follower freuen. 

In Indien habe ich Chetan kennengelernt, einen Lehrenden für traditionelles Kundalini-Tantra. Ich hab ihn eingeladen, hier am 22.-29.3. einen Intensivkurs zu geben (engl.) und hoffe, dass die Mindestteilnehmerzahl bald zustande kommt. Ich freue mich auf diese Woche und werde sie selbst als Weiterbildung mitmachen.

Katrin Laux vom Anukan berichtete auf dem letzten Treffen der Tempelpristerinnen über ihren neuen  Vlog, wo sie jeden Freitag etwas Content liefert, demnächst mit einem Interview mit mir zur tantrischen Gemeinschaft. 

Da Dvarika und Anlise aus Leipzig kommen, möchte das Diamond-Lotus die Leipziger gezielt ansprechen bei der nächsten Runde der Tantramassage-Ausbildung ab März dabei zu sein. 

Das Tantra-Festival Open-Heart vom 1.-5.7.26 nimmt immer mehr Gestalt an. Eine frühzeitige Buchung ist empfehlenswert.   

Viele tantrische Angebote sind weniger im Web, als in Chat-Räumen wie Telegram zu finden. Die folgenden Links werde ich aus der Web-Veröffentlichung des Rundbrief löschen, um Bots nicht in die Chat-Räume zu lassen. 
Ich höre immer wieder gutes von Jules Divine Pleasure Community. Ein weiterer, für mich neuer Stern ist die Slow & Sensual Community von Max, mit dem ich mich seit geraumer Zeit treffen möchte. Auch Daniela vom Intaeger habe ich in ihrer Arbeit noch nicht kennengelernt, aber manches Gutes gehört. Thomas Becher kenne ich schon lange und kann seine Arbeit empfehlen. Ebenso Ricarda und Malin mit Verbunden-Frei. In der Verbindungskultur finden sich alle zusammen wieder. Bei der Recherche finde ich weitere Unmengen von Werbung, teilweise mit KI generiert, die mein Interesse auch durch blumige Worte mehr ermüden als wecken. 

Die LVZ (Leipziger Volkszeitung) berichtete im September über meinen Streit zum ProstSchG mit dem Ordnungsamt. Das Rechtsamt der Stadt hat sich hinter das Ordnungsamt gestellt, welches behauptet, dass Sexualtherapie Prostitution sei. Das öffentliche Gerichtsverfahren wird Ende Januar oder im Februar 2026 stattfinden. Ich würde mich über Besucher freuen.

Spendenaufruf: Im tantrischen Buddhismus wird gilt es, je nach Lebensphase, auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Unsere verdichtete arbeitsteilige Gesellschaft lässt vielen allerdings kaum Zeit, selbst aktiv zu werden (inkl. mir selbst). Egal von welcher Seite du auf die gesellschaftliche Entwicklung schaust – die fortschreitende Ungleichverteilung von Vermögen ist ein Problem für jede demokratische Gesellschaft. Ich gehe davon aus, dass zumindest die Leser dieses Rundbriefes eine breite Mittelschicht für unsere Gesellschaft befürworten. Attac ist eine von wenigen Organisationen, die die Vermögensfrage und -besteuerung zentral in ihrer Arbeit berücksichtigen. Leider wurde ihnen die Gemeinnützigkeit für ihr zivilgesellschaftliches Engagement aberkannt. Daher möchte ich (etwas Fachfremd) einen Spendenaufruf von Attac weiterleiten, in der Hoffnung, dass uns Oligarchien erspart bleiben.  

Literaturtipp

Zuversicht” von Katharina Afflerbach hat mich als Hörbuch aus der Städtischen Bibliothek (die haben ein gutes Online Angebot) sehr berührt. Wahre Geschichten vom Weitermachen und Wachsen in schwierigen Zeiten geben Kraft, und die tut gut. 

Deep Science” als Podcast vom Deutschlandfunk beleuchtet einige spirituelle Themen und liefert manche Informationen. Auch wenn materialistische Glaubenssätze mit quasi religiösem Eifer aufrechterhalten werden, war es für mich inspirierend. 

Feiertage im Tantra

Was mich in Indien fasziniert hat, war das Nebeneinander verschiedenster Religionen. Zunehmend beflügelt mich das Bild einer pluralistischen Gesellschaftsordnung, in der “die Anderen” weniger auf die Bedrohung für das eigene Weltbild abgecheckt werden, sondern auf die Qualität ihrer Feste. Mehr dazu ...

Meinung

Die Zeitschrift Graswurzelrevolution hat im Dezember mein Plädoyer für einen anarchistischen Umgang mit Gottheiten veröffentlicht. Viele sind zu recht sehr vorsichtig gegenüber den Vereinnahmungen jeglicher Weltanschauung. Ich vermute, dass in dieser religionskritischen Entwicklung “das Kind mit dem Bade ausgeschüttet” wurde. Wir brauchen einen selbstbestimmten Umgang mit Gottheiten und Autoritäten. Ich lade mit einem Augenzwinkern dazu ein, den tantrischen Gottheiten zu “glauben”, bzw. dir bewusst zu machen, was du alles glaubst. Welche Narrative du unhinterfragt übernommen hast, das ist dein “Glaube”. Darüber hinaus beinhaltet Glaube aber auch Vertrauen in größere Kräfte, ob sie nun in dir schlummern, in deiner Gemeinschaft erfahren werden oder ins Jenseitige projiziert werden. Gesellschaftliche Verantwortung und Spiritualität sind kein Widerspruch.  

Feiertage im Tantra

Als soziale Wesen ist eines unserer Bedürfnisse, den Zusammenhalt im Kreise unserer Nächsten zu fühlen (und sich dessen zu versichern). Das ist ein Aspekt gemeinsamer Feste und Rituale. Mir persönlich gefallen die tantrischen Feste am besten. Da fühle ich mich gut aufgehoben und mit meinen Bedürfnissen gesehen. Aber in unserer Kultur sind tantrische Feste nicht sicher etabliert, so wie z.B. Weihnachten. Irgendjemand lädt zu einem Ritual ein, oder ein kommerzieller Dienstleister bietet eine Veranstaltung an. In einer Weltanschauungsgemeinschaft – und ich möchte Tantra als solche etablieren – ist klar, wann welche Feste gefeiert werden und die Frage ist nur “wie”. Ob ich den Jahreswechsel alleine im Dunkeln meditierend meine Bedürfnisse optimal befriedige oder in Familie, Gruppe, Kirche, Tempel, Stamm oder Dorf ist wahlfrei.

In der tantrischen Kultur taucht als Feiertag eigentlich nur Shivaratri eindeutig auf. Vermutlich liegt das daran, dass viele traditionelle tantrische Rituale eher im Verborgenen stattfinden mussten. Shivaratri wird traditionell nach dem Hindu-Kalender bestimmt und Ende Februar oder Anfang März gefeiert.

Da wir Tantrika gerne ganz alte ursprüngliche Quellen für uns in Anspruch nehmen, ist es folgerichtig, die universellen Feiertage des Jahreskreises wie Sonnenwende oder Frühlingsanfang zu feiern und unsere gemeinsamen, verbindenden Feste auf diese Termine zu legen. Ich möchte dafür werben, diesen Gedanken in unserem tantrischen Bewusstsein zu verankern und darüber hinaus im persönlichen Umfeld weitere Rituale terminunabhängig zu feiern.

Was mich in Indien fasziniert hat, war das Nebeneinander verschiedenster Religionen. Zunehmend beflügelt mich das Bild einer pluralistischen Gesellschaftsordnung, in der “die Anderen” weniger auf die Bedrohung für das eigene Weltbild abgecheckt werden, sondern auf die Qualität ihrer Feste. Ich glaube, in der Art zu feiern, drückt sich vieles aus. Gemeinsam ist das Gefühl von Fülle. Sättigung bzw. Befriedigung von Bedürfnissen, die in einer entbehrungsreichen Zeit zurückgestellt wurden. In der gewaltfreien Kommunikationstheorie wird erklärt, Gefühle sind Hinweise auf Bedürfnisse. Und wenn gerade mal alle Bedürfnisse satt sind (befriedigt sind), dann stellt sich das Gefühl von Freude ein. Im Yoga wird erklärt, der “natürliche Zustand” sei “Sat-Chit-Ananda” (Sein, Wissen, Glückseligkeit). Zwei Erklärungen für die gleiche Idee. Tue das, was notwendig ist, um deine Bedürfnisse zu befriedigen und freue dich darüber. Mehr ist nicht zu tun. 

Politaktivismus oder Spiritualität? 

Auf den ersten Blick scheint politisches Engagement und spirituelle Entwicklung gegensätzlich. Aber die Ziele sind ganz ähnlich. Nur der Weg ist unterschiedlich. Die einen wollen die Welt im Außen verändern und die anderen meinen, dass wir bei uns selbst anfangen müssen. Dabei wissen sowohl die einen, als auch die anderen, dass Entwicklung immer interaktiv in kleinen Schritten geschieht. Natürlich gibt es auf beiden Seiten extremistische Positionen, aber alle guten Gruppen und Individuen haben beides. Das größere, transzendente, über die einzelne Person hinausgehende – und das individuelle, die persönlichen Bedürfnisse befriedigende, auf persönliche Beziehungen basierende. Ich benutze gerne die Dualität zwischen Sachorientierung und Beziehungsorientierung. Hälfte-Hälfte erscheint erstmal ein guter Ansatz. Gruppen, die nur nach innen schauen, halten über persönliche Freundschaften hinaus nicht lange und die, die nur im Außen agieren, lösen sich nach wenigen Jahren auf. Individuen, die sich nur um sich selbst drehen und nur auf der “Suche” sind, “finden” sich selten. Nicht umsonst haben viele erwachte Meister großartige Bewegungen oder soziale Projekte im Außen gegründet. Das erweiterte Mitgefühl, wie die Erleuchtung im Buddhismus heißt, führt zum Engagement für andere Wesen. Für mich persönlich war es prägend, im politischen Aktivismus eine emotional gut verbundene Gruppe von Gleichgesinnten um mich zu haben, mit denen ich oder “wir” zusammen etwas bewirken konnten. Damals hieß eine anarchistische Parole “bildet Banden”. Heute würde ich dafür plädieren, ganz bewusst und reflektiert seine sozialen Zusammenhänge zu gestalten. Ob die Organisationsform dann Freundeskreise, Gruppen, Organisationen, Firmen oder Parteien sind, halte ich für nachrangig. Das tantrische Prinzip, auf dem Altar der persönlichen Verehrung diejenigen Aspekte in den Vordergrund zu holen, die jetzt dran sind und die anderen Aspekte einfach etwas in den Hintergrund zu schieben, statt sie zu verdammen, das halte ich für wichtig. Mit Verehrung meine ich das, wofür du dich engagierst und bei dem Begriff Aspekte denke ich an Gottheiten. In unserer Kultur, die durch monotheistische Religionen geprägt wurde, wird oft “ganz oder gar nicht“ propagiert, sozusagen digital, an oder aus. Unsere vielschichtige, zunehmend multipolare Welt und Gesellschaft lässt sich mit der tantrischen Weltanschauung viel besser abbilden.

Mediale Resilienz

In einem Workshop der AOK über “Mediale Resilienz” (u.a. für Yogalehrende) wurde gezeigt, dass Fremdbestimmung ein ganz zentraler Stressfaktor ist. Da schließen gesellschaftliche Gedanken an. Aber Stress als Zustand des Nervensystems, der bei dauernder medialer Überflutung, ständiger Erreichbarkeit und viel zu häufiger Unterbrechung kaum noch Pausen bekommt, braucht primär ganz praktische Verhaltensweisen.

Mediale Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, die eigene digitale Mediennutzung sowohl im Alltag als auch unter Belastung souverän, gesundheitsförderlich und zielgerichtet zu gestalten. Man kann auch sagen: produktiv und selbstbestimmt. Leider sind die Algorithmen genau anders ausgelegt. Sie wollen Aufmerksamkeit um jeden Preis. Ausgebildete Fachleute optimieren die Algorithmen darauf, dich süchtig zu machen; egal wie gut die dargebotenen Inhalte sind. 

Wichtig fand ich Hinweise für eine Strategie im Umgang mit digitalen Medien. Die wesentlichen Stressoren lassen sich in fünf Bereiche einteilen: Überflutung, ständige Erreichbarkeit, häufige Unterbrechungen, soziale Erwartungshaltungen, technische Unzuverlässigkeit. Durch ständige Erreichbarkeit kann mensch nie ganz abschalten. Unterbrechungen verlangsamen den Workflow. Soziale Erwartungen in Socialmedia (Angst vor Shitstorm oder Totenstille) belasten emotional. Und technische Zuverlässigkeit kann wichtige Arbeit behindern. Die Strategieempfehlung ist, für sich selbst den wichtigsten Stressfaktor zu identifizieren und gezielt nur dazu eine Verhaltensanpassung einzuüben. Für mich persönlich frist die innere Fragmentierung Arbeitszeit, weil ich immer, wenn die Gedanken nicht gut fließen, noch mal die Nachrichten checke. Digital Detox ist leider keine alltagstaugliche Lösung. Selbstbestimmte Mediennutzung (also welche Medien, wann und wie lange?) braucht:
1) Reflexion, d.h. Analyse des eigenen Verhaltens,
2) Wissen über die Vorgänge hinter den Medien und im eigenen Körper
3) Strategien, d.h. Versuch und Irrtum, um hilfreiche Methoden auszuprobieren und dann im Alltag zu etablieren.   

Ich kann die Arbeit von Extrazwei.de als bereichernd weiter empfehlen.