Tantra Rundbrief 32b – 2/2021

Liebe Tantrika und Freunde in und um Leipzig,

jetzt steht der Frühling vor der Tür und ich hoffe, es geht dir gut. Ich konnte in diesem Lockdown meine tägliche persönliche spirituelle Praxis intensivieren, aber so langsam reicht es mit „social distancing“. Eine gute Nachricht sehe ich darin, dass ganz allgemein Pandemien epidemiologisch oder durch soziale Entscheidung beendet werden. Da wir den Virus nicht einfangen können, ist es an der Zeit, sozial zu entscheiden. Zumal die Coronakurve zum Frühjahr hin abflauen wird –  wie die Grippewelle. Wir sollten den Sommer nutzen, das echte Leben zu genießen und die Tragfähigkeit unserer Beziehungen stärken. Der nächste Winter kommt bestimmt. Ich beschließe ab März wieder Gruppe zu erleben. 

Der folgende Rundbrief ist wieder etwas länger geworden. Ich versuche die Schlüsselworte Fett hervorzuheben, falls du den Text überfliegen möchtest. Es geht um unsere Veranstaltungen, Liebe Stärken, Leben und Sterben, Gesellschaft und eine Buchrezension.

Für unserer Einsteiger-Wochenende vom 12.-14.3. haben sich bisher 5 Teilnehmer verbindlich angemeldet. Wir werden eine kleine Gruppe, aber es sind noch Plätze frei. Corona-Bedingungen? Falls der Kurs verboten wird, sprechen wir miteinander und suchen evtl. nach einem anderen Termin. Falls du da nicht kannst, bekommst du dein Geld zurück. Falls das allgemeine Infektionsgeschehen es empfiehlt, bieten wir vor Beginn des Seminares einen Corona-Schnelltest für 11€ vor Ort an. 

Das gleiche gilt für unsere Massage-Wochenende M1 am 9.-11.4. und den Mittelstufe-Kurs T2, wo wir uns ab 12.4. über 12 Wochen regelmäßig sehen und intensive Gemeinschaft in der Stadt aufbauen. Ein Ziel ist damit auch, tantrische Gemeinschaften auf Gegenseitigkeit vor Ort zu fördern.

Ganz besonder freue ich mich, mit Johannes Bönig hier in Leipzig einen erfahrenen Tantriker kennen gelernt zu haben. Er gibt am 23.-25.4. eine Einführung in traditionelles Tantra

Seit dem letzten Rundbrief konnte ich zwei Paarseminare geben, wie beworben. Es lohnt sich. Die Themen sind auch nicht auf Massage begrenzt, sondern beziehen Paardynamik und Spiritualität ein, wie ihr es wünscht.  

Tantra-Termine

Im Tantra-Kalender sind gerade nur wenige Termine eingetragen, da alle Anbieter mit Unsicherheit zu kämpfen haben. Schau auf deren Seiten, die hier zusammengefasst sind.

Von anderen, kleineren Anbietern habe ich aktuell wenig gehört. Falls dein Angebot hier nicht genannt ist, schreib mir, was auf der Tantrazentrum-Webseite stehen sollte. Für diesen Sommer gibt es sicher wieder ein breites, lebendiges Angebot.

Liebe stärken?

Mit dem letzten Rundbrief hatte ich aufgerufen, Ideen zur Stärkung der Liebe zu sammeln. Darauf habe ich einige Rückmeldungen bekommen. Hilfreich ist auf jeden Fall:

  • Menschen annehmen wie sie sind. Gute Absichten unterstellen, egal ober sie digital oder analog kommunizieren. Alles mit Humor nehmen, Wertschätzen und Kontakt halten. Einfache Dinge, die Achtsamkeit und Mitgefühl brauchen. Mir hilft die Corona-Krise als Theater zu nehmen, in dem ich eine Rolle spiele, aber nicht bin.
  • Praktische bietet die Arbeitsdefinition „Liebe = Fürsorge“ ein einfaches Mittel unsere Handlungen dahingehend zu prüfen, ob wir gerade liebevoll, d.h. fürsorglich handeln.
  • Feinstoffliche Energie ist weder an physischen Kontakt, noch an digitale Datenleitungen gebunden. Wenn wir uns auf feine Schwingungen einstellen, geht mehr als wir zunächst annehmen. Dafür braucht es aber eine Entscheidung und ein wenig Übung.
  • Tanta ist nicht Berührung, ist keine Massage, keine Sex, keine Zweisamkeit. Tantra ist ein Weg der Befreiung von Anhaftung an Berührung, Zweisamkeit und alten Vorstellungen. Wie wir unser Ego von Abhängigkeiten befreien, davon handelt die tantrische Lehre.

Eine andere Arbeitsdefinition „Gott = Liebe = Lebendigkeit“ hilft uns praktisch darauf zu schauen, unsere Lebendigkeit zu stärken. Die letzten Tage mit Schnee und hellem Sonnenlicht haben Corona scheinbar stark zurückgeworfen. Genieße die Sonne, atme tief durch, nutze die politische erzwungene Entschleunigung für Entspannung und innigen persönlichen Kontakt mit den Wenigen, die du treffen darfst.

Gegen die depressive Müdigkeit einer Corona-Krise hilft auch mehr Pranayama in deine Yogapraxis zu integrieren, oder mal eine QLB-Meditation aufzulegen. Gegen die geschürte Angst hilft Regelmäßigkeit im Alltag und Struktur.

Eine therapeutische Erklärung zeigt, dass wir uns geliebt fühlen, wenn unsere Bedürfnisse gesehen und befriedigt werden. Mit unseren Bedürfnissen und Gefühlen angenommen zu werden, stärkt Vertrauen. Auch wenn es gerade politisch opportun ist, persönliche Wahrheit nicht in der Öffentlichkeit zu sagen, sollten wir die Vertrauen-Transparenz-Spirale in unseren Zusammenhängen stärken. Zeige dich und verstehe die anderen mit deinen/ihren Gefühlen, Bedürfnissen und Gedanken in einem vertrauenswürdigen sozialen Zusammenhang. In der nächsten Runde kann es dann noch persönlicher werden und Bedürfnisse können besser befriedigt werden. Die ganzheitliche Verbindung von Körper, Geist und Seele kann helfen, in dieser getrennten und polarisierenden Zeit ausufernde Gedankengänge und Grübeleien  zu befrieden.

Leben und Sterben

Seit Monaten werden wir mit Todesstatistiken bombardiert. Aber kaum jemand beschäftigt sich mit dem Tod.

In meinem bisherigen Leben wurde ich nur in meiner Tantra-Ausbildung darauf hingewiesen, mich mit dem Tod zu beschäftigen. In unserer Kultur ist Sterben ein großes Tabu. Dieses Tabu zu befreien und  sich angemessen damit zu beschäftigen kann einen wichtigen Anstoß in der aktuellen Krise geben. Die Erfahrung zeigt, dass durch die Auseinandersetzung mit dem Tod ein positiver Bezug zum Leben gefunden werden kann. 

Häufig wird mit der Frage nach dem Tod so eine Art “Löffelliste” verbunden, was man vorher noch alles machen und erleben möchte. Das drückt in meinen Augen eine kulturtypische “Haben-Mentalität” aus, und alles was dann fehlen würde, wird in der inneren Vorstellung als “Verlust” verbucht.  Demgegenüber würde eine Orientierung im Sein fragen, welche Beziehungen wir noch aufräumen möchten, wo wir anhaften und wovon wir uns verabschieden möchten. In der materialistischen Kultur wird gerne verdrängt, dass das Leben endlich ist. Es fällt nicht leicht, das zu akzeptieren, weil in einer materialistischen Kultur dann nichts übrig bleibt.

Wenn du dich mit der Frage beschäftigen möchtest, ist es gut, vertraute Ansprechpartner zu haben, aber die Beschäftigung mit deinem Leben kann dir niemand abnehmen. Vielleicht kommen große, alte Ängste hoch, vielleicht aber auch Freude über die Wunder des Lebens. Die Fragen von Liebe, Leben, Angst und Vertrauen sind alle miteinander verbunden. Daher empfehlen wir im Tantra auch so oft, die inneren Schatten zu bearbeiten und Bewusstsein ins Dunkel zu bringen.

Die Frage, was du tun würdest, wenn dein Leben nächste Woche zu Ende geht, kann einen wunderbaren Bewusstwerdungsprozess starten. Vielleicht kommen rücksichtslose Gedanken hoch, aber dahinter stehen oft ganz einfache Bedürfnisse nach Liebe. Andererseits ist es ja auch mal gut, ohne Rücksicht auf Rang, Namen und Besitz denken zu dürfen. Letzte Woche habe ich bei einer Freundin auf dem Klo einen Spruch gelesen, der Albert Schweizer zugeschrieben wurde: “Das einzige was im Leben wichtig ist, sind die Spuren von Liebe, die wir nach dem Tod hinterlassen”. 

Das richtige Leben im Falschen?

Zu einem ganzheitlichn spirituellen Leben gehört im tibetischen Tantrismus auch Beteiligung an der “normalen” Gesellschaft. In der aktuellen Krise ist es umso schwieriger die Tagespolitik außen vor zu lassen, da diese sich jetzt anmaßt tief ins private Leben einzugreifen und z.B.  Kindergeburtstage zu verbieten. Die aktuell geschürte Angst ist eine Steilvorlage für autoritäre Strukturen, egal welcher Couleur. Dem müssen wir als bewusst lebende Menschen auch praktisch rechnung tragen, und das Verbindende verschiedener politischer und spiritueller Gruppen zu suchen. Der Grat zwischen polarisierender Trennung und faulen ausgleichenden Kompromissen ist schmal. Darauf zu wandeln wird nicht einfach. 

Dieter Duhm schrieb 1982 in »Aufbruch zur neuen Kultur«: „Was es heißt, ohne Angst zu lieben, ist für die allermeisten nicht einmal mehr vorstellbar, weil die Verbindung dessen, was sie als »Liebe« bezeichnen, mit Verlustangst, Sexualangst, Autoritätsangst, Angst vor Ablehnung, vor dem Alleinsein und Angst vor Verrat so »selbstverständlich« ist, dass die Absurdität der Situation gar nicht mehr wahrgenommen wird. Wahrgenommen werden dann erst wieder die Folgen: Eifersucht, Krankheit, Depression und Zerbrechen der Beziehungen.“

Eine Statement aus Tamera  Corona-Krise: Zeit der Entscheidung kann ich voll und ganz unterschreiben. Daher möchte ich offene tantrische Gemeinschaft in der Stadt stärken, auch im Sinne der Heilungsbiotope, wie sie von Tamera propagiert werden. 

Überwindung von Angst beinhaltet auch ganz praktisch für persönliche Sicherheit zu sorgen und Grundregeln konspirativer Treffen zu beachten, wie es in vielen politisch aktiven Gruppen und für verbotene tantrische Rituale schon immer notwendig war. In unserer Sangha achten wir zum Beispiel darauf, Handys vor Besuch bei Anderen auszuschalten, da sonst eine Kontaktverfolgung (wer wen wann getroffen hat) möglich ist. Außerdem hilft z.B. die Anmeldung eines Gewerbeschein für z.B. Hausmeisterdienste als Nebentätigkeit, die Bewegungsfreiheit bei Ausgangssperre zu verbessern. Für einige ist die DDR noch nicht so lange her. Die Corona-Krise zeigt auch, wie schnell sich sicher geglaubte Verhältnisse ändern können. Ich halte es für realistisch, dass wir uns auf autoritärere Verhältnisse einstellen müssen. Wenn wir klug, achtsam und solidarisch handeln, können wir uns viel Lebendigkeit jenseits der offiziellen Norm erhalten. 

Buchtip

„Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm kann ich auch immer wieder empfehlen. Aber im Moment arbeite ich mich durch ein Buch von Klaus Schwab über „Die Zukunft der Vierten industriellen Revolution“. Eine Empfehlung ist schwierig, aber man sollte aus erster Hand wissen, was die betriebswirtschaftliche Elite des Weltwirtschaftsforum bewegt. 

Im Tantra sind wir es gewohnt, aus dem Hinduismus mehrere Gottheiten auf dem Altar zu haben und mal den einen oder anderen nach Vorn oder hinten zu schieben. Es ist gut zu wissen welche Gottheiten die Mitglieder des Weltwirtschaftsforum verehren. Tatsache ist, dass sich dort viele wirklich Mächtige treffen und absprechen.

Bei der Lektüre denke ich manchmal, das Klaus Schwab als „Überbringer schlechter Nachrichten“  gerne geköpft wird. Dabei scheint er im wesentlichen gute Positionen zu vertreten, wie zum Beispiel die vielfach wiederholte Meinung, dass die Gewinne gerecht auf alle verteilt werden müssen. Vielleicht ist er ja auch nur der „Hofnarr“ der Mächtigen. Möglicherweise ist er ein Idealist? 

Auf jeden Fall ist das Buch geschrieben in einer verquasten BWLer-Sprache mit vielen bedeutungsschwangeren Worten und wenig Inhalt, anstrengend zu lesen und wenig Erkenntnis. Mich erinnert es stilistisch an dogmatische kommunistische Texte der 80er Jahre, nur von der anderen Seite. 

Aber die technischen Entwicklungen, die er dort beschreibt, werden vielfach kommen und wir müssen uns nicht nur dazu positionieren, sondern tatsächlich in der Wertediskussion mitmischen, die dort geführt wird. Als eines der wenigen konkreten Beispiele wird unter „Werte“ eine Spirituosenfirma genannt, die als Beitrag zur „Wertegemeinschaft“ für mäßigen Alkoholkonsum wirbt. Die Verehrung von Wachstum und ein betriebswirtschaftliches Menschenbild  wird transportiert. 

Politisch gesehen sind die Mitglieder des Weltwirtschaftsforum keine „Verschwörer“. Sie sind im Einzelfall ernst zu nehmende politische „Gegner“. Ich frage mich schon lange, warum reiche, gebildete, sozial kompetente Menschen (in den Führungsetagen) teilweise so abstrus asoziale und umweltschädliche Entscheidungen treffen. Bei der Antwort darauf kommt mir tantrisch/hinduistische Spiritualität zu hilfe. Sie verehren einfach die falschen Gottheiten, wie z.B. Wachstum und Geld. Dieser Gedanke sollte noch detaillierter ausgeführt werden, was den Rahmen dieses Rundbriefes sprengen würde. Denn darin liegen Lösungen und Antworten für manche aktuelle Frage bereit. 

und sonst? 

Ich wünsche dir Glück und Zufriedenheit. Möge dein Mitgefühl sich erweitern und Mut und Tatkraft bringen. 

Namasté – Ich grüße das göttliche in dir. Helfried

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.